Pen, and pencil, ruler, book, book, book

Posted on 6. Juni 2007 Comments

Ich habe mir schon sehr lange keine Gedanken mehr über Bleistifte gemacht. Früher war das immer in problembehaftetes Thema, bei der ganzen Zockerei braucht man immer Bleistifte, und aus mir nicht nachvollziehbaren gründen werden (wurden?) die in Deutschland in Dreierpacks zu 5 DM verkauft. Drei Bleistifte, Pah! Dauernd in den Laden rennen, dann gehen die doch wieder verschütt, wieder in den Laden rennnen usw usf.
Es nimmt sich grausig aus an deutschen Rollenspieltischen, wenn es um Bleistifte geht. Die fehlende Massenverfügbarkeit führt einerseits zu unschönen Warten-Borgen-Zurückgeben-Szenen, andererseits ist in jeder Runde mindestens eine Pfiffikus, der diesen Mangel auch gewahrte. Genau dieser Pfiffikus hat dann mit deutscher Logik („Es gibt was umsonst? Ich nehm zwei davon!) Ikea geplündert, und hat damit wieder mit „gut gemeint“ das Gegenteil von „gut gemacht“ erreicht: Handkrebserzeugend kurze Stifte, die schmieren und sich nur so anspitzen lassen, dass sie bald als gefährlicher Gegenstand einzustufen sind, zumindest für Charakterbögen. Und radieren wird schnell zum lavieren mit diesen Danaergeschenken.
Abgesehen von dieser Ikea-„Stift“-Pest, herrscht auch in deutschen Landen ein Radierermangel. Aus überkandidelten Arroganzgründen, die wohl auch zu den hohen Preisen und geringen Gebindegrößen führten, werden europäische Bleistifte fast immer ohne Radierer geliefert. Nicht, daß es nicht auch timbuktanische Schrottbleistifte gäbe, aber damit zu schreiben oder gar zu radieren kann nun wirklich kein zivilisierter Mensch verlangen.
Wegen der Balance! Hah! Bleistift-Swinepack! Ich will Trefferpunkte eintragen und wegradieren, keine technischen Zeichnungen durchführen, oder gar malen.
Ganz anders in den USA: Da sind Bleistifte (mit Radierer) massenverfügbar, und nicht jenes Goldstaubgerät wie in unseren Landen. Vor allem bekannt und ubiquitär ist der gelbe No. 2 Pencil. So begab es sich, daß ich aus einem USA-Urlaub ein Gros (zu $5) unlackierter Bleistifte mitbrachte. Seit Jahren schreibe ich fast ausschließlich mit diesen, hatte für mich privat Massenverfügbarkeit hergestellt, konnte also beruhigt damit rumaasen, wie es sich für so ein Produkt gehört. Ich verschenkte, verlegte, zerbrach, zerschrieb dutzende dieser kleinen Helfer. Und er begleitete mich somit durch alle wichtigen Stationen meines bisherigen Lebens, kein Ereignis, daß nicht mit dem guten alten

Sanford American Naturals HB 2

in Verbindung stand, denn es muß immer etwas aufgeschrieben werden. Vor allem sämtliche Rollenspielerfahrungen sind seitdem mit dem guten Sanford verknüpft, und es hübsch mitanzusehen, wer sie alles in Berlin benutzt und welche Wege sie gehen. Denn ich behaupte sie stammen alle aus meinem Gros, woher kommen sonst Sanford American Naturals in Berliner Rollokreisen? Haltbar, radierend, stabil, wohlduftend und handlich haben sie jede meiner Charaktere, meiner Kampagnen und die einiger anderer stumm und aufopfernd begleitet.
Dies war mir alles garnicht so bewußt, bis ich gestern bei der Arbeit meinen schon recht abgekämpften Bleistift anblickte, und mich fragte, was ich denn täte wenn sie ausgehen. Flugs ins Internet geblickt: Oh Schreck, oh Graus!
Sanford als Firma ist zwar weiter auf dem Weg zur Weltherrschaft, aber die American Naturals Reihe ist nun in Paper:Mate-Auflage erschienen, und bedeutend schlechter geworden. Lest hier die für mich niederschmetternde Rezension. Restposten der alten Sanfords konnte ich keine finden, leider nur einen würdigen Nachfolger: Forest Choice, Rezension hier.
Aber noch ist nicht aller Tage Abend, denn ich habe meine Bestände geprüft, und verfüge noch 18 Fabrikneue Sanfords, sowie ein halbes Dutzen angefangener Stifte. Was mich aber wieder zum Hüter von Goldstaubartikeln macht, mit dem Rumaasen ist es jetzt vorbei. Ein Teufelskreis. Am Besten zwölf Gros Forest Choice kaufen, um dann endlich, endlich ein für allemal Bleistifte zu haben.

Wer eine gute deutsche Alternative weiß, ich bin ganz Auge.

Zum O.R.K.

Comments

  1. Leider recht teuer, aber immer wieder gut, weil griffig:Faber Castell Grip 2001 Bleistift. Ansonsten bin ich großer (passiver!) Unterstützer der volkswirtschftlich durchaus schädlichen, aber im Einzelfall absolut harmlosen Praxis des Mitarbeiterstifteklaus. Irgendeiner in der Rollo-Gruppe arbeitet im Zweifellsfall schon in einer Firma mit angeschlossener Büroartikel-Asservatenkammer, die solche obigen Kleinode zu Dutzenden hortet. Zm größeren Wohle der Gruppe ist dann auch der eigentlich illegale Zugriff darauf als moralisch einwandfreie Handlung zu betrachten. Sag ich jetzt mal so… :-)Gruß,V-Dub

  2. Es kann doch nicht sein, daß man andernorts gute Bleistifte buchstäblich en gros kaufen kann, aber bei uns das Faber-Castell Qualitätsdiktat diesen Gebrauchsartikel zu einer Seltenheit macht. Ich will nicht auf meinen Bleistift aufpassen müssen, denn ich weiß wie viele man pro Tag in Deutschland produziert. Wo die nur alle landen? Exportweltmeister?

  3. Ich habe früher im Woolworth ein dutzend (namenlose) HB-Bleistifte mit recht gutem Radiergummi für 99 Pfennig bekommen, mit denen war ich eigentlich immer zufrieden.Und da ich recht schreibfaul bin benutze ich die heute noch :)Auf ein Gros wäre ich mit 5 US-$ zwar nicht gekommen(zu dem Zeitpunkt müssten das etwa 9-10 DM gewesen sein), aber ich habe auch keine Ahnung was Woolworth heute so zu bieten hat.

  4. der new worlds rollenspiel-shop.de hat vor Jahren mal auf ein paar Cons unlackierte Bleistifte mit Radierer rumgehen lassen. Von denen habe mir ein paar genommen und verwende sie immer noch. Bei einigen ist das Radiergummi inzwischen verbraucht, aber die Stifte sind immer noch gut und halten sich auch.

  5. Schönes Zitat – wenn ich nur noch wüßte, von wem:“Das beste Zeichen für den Optimus der Menschheit findet sich beim Bleistift. Es ist das Verhältnis der Länge vom Stift und vom Radierer.“

  6. Hallo Settembrini,als Bleistift-Enthusiast freue ich mich über Deine konsequent positive Haltung zu diesem sehr alten, äußerst zuverlässigen und vielseitigen Schreibgerät.Ganz so hoffnungslos ist die Situation nicht…Jeder deutsche Bleistift-Produzent (es gibt ja nicht nur F-C…) hat eine mind. preisgünstige Produktlinie für Büro- und Schulanwendungen parat. Diese gibt es auch in jedem Schreibwarengeschäft. Allerdings ist es leider in Deutschland nicht mehr üblich, Bleistifte im Dutzend anzubieten. Der anonyme Beitrag vom 6.6. erwähnt Woolworth, und da kann ich nur auf ein Set von 10 Bleistiften zu 1,99 EUR verweisen, 2 Härtegrade – HB u. 2B, HB in schwarz-silberner und 2B in blau-silberner Lackierung, schwarzer bzw. blauer Radiergummi. Die Beschriftung beschränkt sich auf den Härtegrad und das CE-Zeichen. Diese Stifte sind recht gut, die Gummis radieren sauber, reiben sich aber schnell ab.Alternativ gibt’s beim Memo-Versand naturbelassene Bleistifte mit Radierer im Gros (144 St.) für 25,71 EUR plus Versand. Das sind 21c/St.!Habe ich aber selbst noch nicht kennengelernt. Falls Du nicht schon selbst dort gekauft haben solltest, möchte ich unbedingt pencilthings.com empfehlen. Das Geschäft verschickt international. Übrigens ganz vorzüglich im dortigen Sortiment sind die California Republic Prospector.

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