I saw the light, I saw the light

Welches ist diejenige Kampagnenwelt, welche europäische Geschichte lebendig werden läßt? Wie heißt das Fantasyspiel, das durch unser mitteleuropäisches Kulturerbe Gravitas und stimmungsvolle Atmosphäre (Sic!) erhält?
DSA? Midgard? DeGünnisys? Nein!

PTOLUS!
Ja, Ptolus, das sehnlichst erwartete Kampagnenstadt von Monte Cook, welche auch die Wiege der 3. Edition von Dungeons & Dragons war. Hier weht “Old Europe” der kontinentalen, mitteleuropäischen Variante durch die Gassen. Architektur und Farben sind von polnischen Graphikern nach deutschen und polnischen Beispielen erschaffen worden, um Montes beschreibendes Adjektiv “Germanic” gerecht zu werden. Der auch sonst solide Players Guide gibt Einblick in die Geschichte des “Empires”, also des Reiches, welches aus verschiedenen, kulturell unterschiedlichen Reichsteilen besteht. Hier wird das Heilige Römische Reich deutscher Nation in einer poststaufferischen Fantasy-Version dargestellt!

Allein, die Kartographie von Ed Bourelle (SkeletonKey) enttäuscht und fndet keine Zustimmung. Es gibt so etwas wie “Wohngegenden” bzw. Residential Areas, inklusive Desperate Housewifes Sackgassen! So ein suburbaner, nordamerikanischer Kokoloris. Ach ja und die Straßen verlaufen kerzengrade. Nun ja, aber er war sichtlich bemüht, dies etwas aufzuweichen. Und es läßt sich leidlich mit der glorreichen Reichsvergangenheit begründen.
Es ist ein Jammer, das unser Erbe nur zweimal gefiltert durch amerikanische Hirne oder britischen Humor auf meinem Spieltisch landet. Unsere Verlage sind ja dazu im Mittelalterbereich nicht in der Lage. Nehmt euch ein Beispiel an Pegasus/Cthulhu, ihr Fantasy Heartbreaker Schreiberlinge.

Mehr Deutschland, mehr Kaisrreich, mehr Gotik, mehr Hanse, mehr Fugger, mehr Reichsstädte, mehr Ostkolonisation, mehr Investiturstreit, mehr Italienfeldzüge, mehr Bauernkriege, mehr Interregnum, mehr Luther, mehr Wallenstein, mehr Quitzow, mehr Kreuzzüge, mehr Aachen, mehr Speyer, mehr Mönche, mehr Roggen, mehr Freiherren, mehr Barchent, mehr Markgrafen, mehr Pest, mehr Zünfte fordere ich.
Und zwar in deutscher Sprache! Ist das so viel verlangt?
Nur ein Beispiel, für die Anglisierung unserer ureigenen Vergangenheit ist die Tatsache, daß die meisten Rollos “Gilde” sagen, wenn Zunft gemeint ist. Armes Deutschland. Solange jedoch die Amerikaner und Briten die besseren Deutschen sind, bekommen sie mein hart verdientes Geld. Ich bin Patriot, kein Deutschtümler. Deutscher sein verpflichtet, es adelt jedoch nicht.

PS: Ansonsten ist der Players Guide solide, ohne spektakulär zu sein. Für Drei Dollar pro Stück uneingeschränkt empfehlenswert. Spieltechnisch ist nicht viel drin, außer ein paar Hintergründe, die einem noch einen kleinen Bonus geben, Hausnummer für den Machtzuwachs: +2 auf eine Fertigkeit. Ansonste bekommt man einen Überblick über die Stadt, so daß man schon ein paar Ansatzpunkte hat. Leider gibt es kaum Dinge, die einen als Spieler sofort aus Neugier ins Abenteuer treiben. Ansonsten eigentlich keine längeren sog. “Stimmungstexte”.

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