Jump down, turnaround, pick a bale of cotton

Pick a bale a day. Da fehlen wohl einige „Bales“. Je nun:

Wie einige wissen, war Euer aller Titan der Wahrheit in eigener Sache auf der Spiel `06 im wunderhässlichen (was Bahnhofsumgebung betrifft) Essen. Als Allererstes sei der treuen Leserschaft Kunde getan vom Abstieg den die Messe nimmt: Bedeutend weniger RSP-Händler (insbesonder Ausländer fehlten bis auf wenige Ausnahmen), bedeutend weniger Comicstände, fast gar keine Kriegsspielstände (bis auf den der GHS), viel LARP und einiges zuviel an Platz in Halle 6. Natürlich sind das Änderungen, die gerade den Leuchtturm des guten Geschmacks, den Flakscheinwerfer für gute Produkte stören. Der eigenen connoissance konnte nur mit angezogener Handbremse gefröhnt werden; die übliche Verfahrensweise, dummdeutschen Händlern ihre angelsächsich-unerkannten Schätze für eine handvoll Kleingeld abzuluchsen war angesichts der niedrigen Händlerzahl nur im kleinen Rahmen durchführbar. Immerhin konnte ich meine Bahnkosten amortisieren, in dem ich geiergleich einem aufzulösenden Händler die Rosinen zu €10 das Stück entriß.
Aber kein Vergleich zu den alten Tagen, an denen der Hofrat über weit mehr als €500 ausgab, und dabei Waren im Sammlerwehrt von mehreren Tausend erwarb. Nein, das ist nicht mehr möglich, eine Schande, insbesondere da mich Neuerscheinungen so garnicht reizen, denn die kann man ja überall kaufen. Geradezu Lächerlich war der Stand von Fantasy Encounter, da wurden keine Sammlerpreise (wie beim House of Atreides einem blauäugigen Engländer, der für allerbestes und seltenstes (A/O)D&D-Material eben auch die Angelsächsischen Preise verlangte, und also nur Unverständnis von den Hinterdeutschen erntete), sondern fiktive Preise genommen. Wehe dem, der dort kauft!
Immerhin, ein paar nette und erfolgreiche Gespräche verheißen Gutes für die Zukunft. André von der RQ-Gesellschaft war vom SRD-Übersetzen ganz angetan, und wies darauf hin, daß der alte RQ-Übersetzer selbst Mitglied sei, und bestimmt nichts gegen eine Verwendung der Originalbegriffe habe. Aber das gilt es natürlich in weiteren Gesprächen zu festigen und zu prüfen.
Zum PrO/Forgestand sage ich mal nichts, die werden schon ihren eigenen Nachbericht verfassen.
Aus den Gesprächen in der freitäglichen Messenachbereitung, bei denen ich teilnehmen durfte, ergeben sich folgende Links:
Hier die Geschichte von Spackofreds als Verkäufern und dem Firefly Hauptdarsteller.
Daniel Stanhke von Pegasus kannte das hier noch nicht.

Ach so, ich habe auch ein paar Sachen probegespielt. Aber da gibt es auch anständige Rezensionen drüber, nichts Spektakuläres (außer daß ich den Axis&AlliesMini Typi von der Platte gefegt habe, und der Vogel wollte tatsächlich gewinnen! Der hatte doch echt mehr Punkte und also den bedeutend besseren Panzer (IV G vs meinen popeligen Sherman), bestand auch darauf die Deutschen zu spielen, und weigerte sich wiederholt die Geländeregeln voll einzusetzen, da ich mich natürlich fachgerecht in gedeckte Stellung begab. letzlich gewonnen habe ich durch den Klassiker des Panzerkampfes gegen überlegenen Feind: den überlegenen Panzer im Heck erwischen; klug manövriert-Panzer IV G im Eimer. Der war richtig sauer, der Vorstell-vogel…). Und zu den Thematikspielen sage ich nichts, denn die waren halt so, wie sie sind, und auf Wiederholungen kann jeder verzichten. Nur ganz allgemein sei nochmal gesagt, daß mehrere Gesprächsteilnehmer Thematische Spiele (wie ich), als eine nicht voll befriedigende Abkürzung ansahen. Wir waren uns einig, daß thematische Entscheidungen und Situationen umso mehr Erinnerungscharakter und Wirkungsmacht erhalten, so sie denn in einer um Glaubwürdigkeit und Erlebnistiefe bemühten Kampagne eingebettet sind.

Interessant vielleicht noch: Am FANPRO Stand wurde mir gesagt, man entscheide erst an diesem Wochenende über eine evtl. Übersetzung des BT-Relaunches. Das war für mich ein weiterer Beweis für die Probleme in denen FANPRO stecken muß: Nicht in der Lage ein neues deutsches Battletech drucken zu lassen! Als Randnotiz: Habe Thomas Römer im Fangespräch belauschen dürfen, oh Mann! Hartwurststimmungsspielkacke, daß man Ohrensausen bekam. Es war eine pervertierte und institutionalisierte Form des „Let me tell you about my character“ Syndroms: Thomas hat von seinen Autoren-GMNPCs erzählt und deren Tiefenpsyche ausgeleuchtet.

Doch die allergrößte Messeneuheit ist mir erst am Bahnhofskiosk aufgefallen! Zu meiner Schande ist mir erst jetzt die SpielXpress untergekommen. Eine veritable Zeitschrift, die sich allen Aspekten von Abenteuerspielen (nicht nur, bzw. jetzt zum ersten mal auch mit Rollenspiele) befaßt: LARP, RSP, Computerspiele, Brettspiele usw usf.
Das begrüßenswerte Novum sind die Überblicksartikel sowie die grandiose Neigung, Dinge zu bewerten, und Trends und Entwicklungen im Hobby zu kommentieren! Man las Worte wie „Kritik auf der Metaebene“, „Vordenker“, „Mass der Fans“ usw. Jauchzet und Frohlocket!
Wenngleich nicht jeder Artikel meinem strengen Blicke genügte, so ist es doch nahezu eine Revolution! Allein, daß in dem einen Artikel auf die Verdummung der Echtzeitstrategiespieler eingegangen wird, gepaart mit der Aufforderung doch mal einen der Militärklassiker zu lesen! Ja, daß ich sowas in deutscher Sprache mal erleben darf! Weiterhin war der Rollenspielbereich sehr Hofratesk dargestellt: D&D Rezensionen die die übliche Kritik von Stimmungsspielerseite vorwegnahm und widerlegten! Palladium und Rifts bekommen zwei volle Seiten! Von DSA kein Wort, außer ein Zweizeiler in der Hörbuchankündigung. Interview mit Peterson, Stafford und Krank sowie enthaltenen Lobpreisungen von Cthulhu.
Dazu noch Seitenbalken mit Forderung nach einer Revitalisierung des Hobbies, und sachkundige Verarbeitung der aktuellen angelsächsischen Neuankündigungen. Ich könnte meinen Arsch drauf verwetten, daß irgendeiner deren Mitarbeiter hier mitliest. Oder es gibt paralelle Evolution. Ich glaube das Erste wäre schmeichelhaft, aber das Zweite würde mir wahre Hoffnung auf Veränderung verschaffen.
Danke an Österrreich!
Einige Artikel gibt es auch Online, unter www.spielxpress.com.
Mir gehen die Ausrufezeichen aus, die Bestellung von Palladiumbooks ist noch nicht da. Kevin hat mir versprochen welche zu schicken…

zum O.R.K.

4 Gedanken zu „Jump down, turnaround, pick a bale of cotton

  1. Mal sehen, wie es mit Fanpro weitergeht…Kannst dir ja vielleicht demnächst die DSA Rechte kaufen und ein ordentliches RSP draus machen. ;)Frostiger Gruß

  2. Denke fast das Myranor nur verkauft wurde um das neue DSA Basisbuch drucken zu können. Was verkaufen sie wohl für die nächsten Bände? ;-)Das ist natürlich nur eine Vermutung, aber die liegt verdammt nahe.

  3. Durch die Auslagerung [der Hofrat berichtete] haben sie ja jetzt wieder Geld um das Basisbuch drucken lassen zu können.Myranor werden sie wohl abgeben, weil es bei den Fans nicht angekommen ist.

  4. „connaisance“ bitteschön, nicht angloamerikanisiertes Pseudofrentsch. 😉

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