Ringsumher auf Friedbergs Höh’n, ist weit und breit kein Feind mehr zu seh’n

Deutschland im Warmstart, sprechen wir über Liebe und Rollenspiel.
Liebe ist die Hauptmotivation frewiwilligen und leidenschaftlichen Handelns & Denkens. Nur die uneingeschränkte Lebensbejahung, urwüchsige Triebfieder und hingebungsvolle Adoration vermag es die notwendigen Kräfte freizusetzen, um Fortschritt zu erzielen. Abgesehen vom Fortschrittsziel, kann man aber auch nur dann ein guter Spielleiter sein, wenn man liebt. Man muß seine Mitspieler, das System, die Würfel, die Welt, die Illustrationen und alles andere lieben, und es wird gut sein. Manche Dinge machen es einem schwer sie zu lieben, man liebt unter gewissen Vorbehalten. Aber Grundsätzlich muß kindliche Begeisterung im Spiel sein, ansonsten will ich nicht dabeisein, sollte keiner dabeisein.
Noch wichtiger ist die Liebe zum Objekt im Diskurs. Ich liebe Rollenspieler, Rollenspiele, die einschlägigen Themen und Paraphernalien und vor allem den Menschen, den Spieler an und für sich. Deswegen unterstelle ich auch Niemandem das unauslöschbare, angeborene Böse, sondern spreche immer von Sozialisierung. Die ist nämlich Artefakt, und bei den Meisten sogar unbewußt oder gar unfreiwillig erfolgt. Aus diesem grundsätzlich positivem Rollobild erklären sich auch meinen heiligen Zornesausbrüche, denn wer Rollos verführt und verirrt, der schmälert ihren Spaß und schadet meinem geliebten Hobby. Doch muß man entweder Kind oder Erwachsen sein, um so zu lieben, so voll Leidenschaft zu sein. Von halbgebildeten Kreisen an aufwärts, ist es tres chic die eigene Unsicherheit durch möglichst distanziertes Verhalten und Cliquenbildung unter den vermeitlichen cognoscenti zu verstecken. Dies Verhalten legt man im Zuge der beendeten Adoleszenz am Besten ab. Leider wollen, oder können das Manche nicht. Ich werfe diesen Personen nicht vor, das Hobby nicht zu lieben. Aber sie begraben ihre Zuneigung, verbergen sie schämen sich für sie und ihr Hobby. Dies führt zu äußerst häßlichen Auswirkungen, die ich in die Schranken weisen mußte und weiter weisen werde müssen. Sucht also eure Liebe, eure Begeisterungsfähigkeit, eure Leidenschaft. Denn als Idealist kann ich diese verkrampfte deutsche Art (es gibt andere deutschen Arten) des nur halb Dabeiseins, nicht dazugehören Wollens, pseudointellktuell Daherkommens, immer Distanz Wahrens nicht hinnehmen. Wer seine Liebe verleugnet, der verleugnet sich selbst. Und Menschen, die mit sich selbst und ihrem Hobby nicht im Reinen sind, die Schaden sich und dem Hobby. Befreit euch! Liebt eure Mitspieler! Liebt andere Spiele!
So wie ich auch Aventurien liebe, wie ich DSA-Spieler liebe. Sie sind arme Schäfchen, gefangen in ihrer Sozialisation, gefangen in der Ödistan-Ebene des Kiesowgebirges. Andere lachen das Schaf aus, während sie am Zaun stehen; lachen wie dumm und gefangen das Schaf ist, anstatt das Gatter aufzutreten, und den Schäferhund zu erschießen. Maximal wird gerufen: „Springt! Ihr seid ja doof, daß ihr nicht springt. Hahah!“ Meistens wird nur in der Jause gelästert: „Hast Du gesehen wie dumm die das Gras gefressen haben?“.

Aber, so einfach ist die Realität auch nicht. Denn es gibt ja mehrere Diskursebenen, mehrere Schichten des Hobbys. Und da kommt es für die Bewertung der Ansichten und Beiträge darauf an, zu prüfen, innerhalb welchen Bezugsrahmens diese entstanden. Weiß die Person das, was sie wissen müßte? Wie klug scheint sie? Welchem Reflexionsniveau entsprechen ihr Beiträge? Entsprechend muß jeweils anders reagiert werden, fällt eine Bewertung anders aus. Meine Liebe zu Shub-Schumann, z.B. ist ungetrübt durch seinen infantilen Hass auf D&D, der ganz eindeutig durch Ahnungslosigkeit entsteht. Die Frage ist nun, wen kann man die Uninformiertheit vorwerfen, und wem nicht. Wem traut man zu, sich umzugucken bevor er Beiträge verfaßt, und wem nicht. Und wenn jemand meine strafenden Blitzstrahlen verspüren muß, dann weil ich ihm zutraute, es besser gewußt zu haben. Und nachgerade die Verweigerungshaltung derjenigen, die eigentlich in der Lage zu Besserem wären, die ist es, die ganz besonders meine Verachtung erregt. Die, die qua Stellung, Eignung und Befähigung in der Verantwortung sind und diese nicht wahrnehmen. Das ist der Krieg, der Kreuzzug der geführt werden muß, diese Individuuen aufzurütteln oder ihrer Maske zu berauben, sie unmöglich zu machen. Beispiele gibt es zuhauf, der DRSP sei explizit genannt.
Nun mag man einwenden, Internet als Medium sei garnicht weit genug im Rollotum verbreitet. Mag sein, mag auch nicht. Klar und wichtig ist aber, daß diese realtiv junge Kommunikationsform eben noch nicht ritualisiert ist. Eine Zeitung z.B. hat den Luxus, eine politische Richtung zu haben. Wenn man in der TAZ etwas liest, weiß man, woher der Wind weht, was Grundannahmen sind. Dies ist im Rollobereich überhaupt nicht gegeben. Unausgesprochene Grundannahmen überall, fehlende gemeinsame Begrifflichkeiten, das Problem der gänzlich verschiedenen Grundvorraussetzungen der Leserschaft. Letztgenanntes führt dazu, daß man es mit feinsinnigen und klugen Spitzen garnicht probieren braucht. Das kann man in hundert Jahren vielleicht. Der Internet-Rollodiskurs ist also gerade erst im Entstehen, und gerade deswegen hat er eine ordnende Polarisation und eine revolutionäre Radikalisierung bitter nötig. Und auf diesem Feld gibt es große, sehr große Anfangserfolge. Doch da vorher nahezu nichts war, ist diese Steigerung um 1000% nicht überzubewerten. Leser der ersten Stunde werden wissen, daß mein Blog für ein paar Tage lang Rollenspiel-Feuilleton hieß. Wie gesagt, solcherlei Raffinementstufen sind noch unangebracht. Aber die Zeit wird kommen, daran glaube ich, dafür schreibe ich, haltet dann nach der „Neuen Kreuzzeitung“ Ausschau. Bis es aber soweit kommt, brauch es eines ganz ganz dringend: Opposition, oder besser: ernstzunehmende Gegenpositionen. Anders noch, denn die Gegenpositionen existieren, sie wurden bisher nur nicht mit Verve und Gusto vorgetragen. Eine natürliche, intrinsische Gegenposition ist natürlich der gar bejammernswert Zustand des Hobbys in Deutschland. Sich aber an den durch Unterlassung und Nachlässigkeit entstandenen Malessen abzuarbeiten ist viel weniger gewinnbringend zur Schärfung, Präzisierung und Geschmeidighaltung der eigenen Position, als ein denkender, handelnder und aktiver Widerpart, der seinerseit ein positives Ziel verfolgt.
Aktives intelligentes Stimmungsspielfandom? Das heißt bisher Lodland und Fanoptikum. Man winkt hier zurecht ab. Ich lade hiermit also alle Liebenden ein, dem Diskurs weiterzuhelfen, weiter Regeln und Themen und Topoi, sowie politische Lager herauszuarbeiten. Sonst bleibt alles, wie es ist. Und wer das Hobby bewußt liebt, dem kann das nicht gefallen. Selbst Fanpro gibt immer weniger seinen Meisterkunden daß, was auch sie wollen: Liebe.

Zum O.R.K.

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