Warum DSA erfolgreich ist

Ich habe bereits die Vor- und Nachteile von DSA durchdekliniert, das soll uns nicht mehr interessieren. Wichtig ist mir ein anderer, hochwichtiger Faktor: Das Abenteuer.
Denn den meisten Spielern ist es relativ Schnurz, was sie eigentlich spielen. Sie akzeptieren für Jahre das, was ihre Kumpelgruppe mit den Lerntexten so treibt, letzlich ist das Diktat des Spielleiters, und auf der Metaebene das Diktat der Auswahl durch die Organisationsperson (meist in Personalunion mit dem SL) ausschlaggebend. Alle Spielstildiskussionen sind hinfällig, wenn man Popularität erklären will. Die Menschen, die am Tisch sitzen und sich irgendwie amüsieren haben eines gemein: sie wollen etwas eskapistische Unterhaltung, sie wollen irgendwie etwas Abenteuerliches erleben. Abenteuer verstehe ich hier ein weiteres mal als “das Außergewöhnliche im Wohnzimmer”. Und das leistet DSA. Und selbst die 7G Kampagne, eine Beleidigung allen dessen, was ich für schön und gut erachte, habe ich als Spieler mitgemacht. Denn die Alternativen waren das Coesfelder Nachtleben und Veltins-Bier. [im Anschluß leitete ich Traveller, zu großer Begeisterung und Erleuchtung der vorherigen 7G Folteropfer; letzlich geht der erste Messeauftritt des PrO in Essen darauf zurück, aber das ist eine andere Geschichte]
So gab es auch Zeiten nach meiner Erleuchtung, in denen DSA eben “gut genug” war.

Trotz aller Schwächen und Murksitäten gibt es eskapistische Unterhaltung mit den Topoi des Abenteuerromans. Die wenigsten Spieler reflektieren dergestalt, daß sie die letzten Fragen nach Konsequenz der verhandelten Ergebnisse, bzw. nach ihrem wirklichen Einfluß als Spieler auf das Geschehen, stellen. Irgendwie trifft man sich und irgendwie ist man teil eines Abenteuers. Und das reicht den meisten erstmal. Und da die meisten eben satisfizer und nicht homo oeconomicus in ihrer Freizeit sind, spielt man eben so, wie man spielt. Da dieser gemeinsame Nenner, eskapistische Abenteuerteilnahme, so weit gefaßt ist, wird auch soviel inkonsequenter Kram in inkonsequenter, nicht zuende gedachter Weise gespielt. Deswegen ist DSA weiterhin populär: man kann es dafür irgendwie nutzen.
Jeder gute Spielleiter wird schon festgestellt haben, daß er seinen Kumpels fast alles vorsetzen kann, und es wird dann irgendwie gespielt. Was dann in der einzelnen Runde dauerhaft gespielt wird, hängt im weiteren Verlauf von vielen Dingen ab, die wir alle schon besprochen haben. Aber wer nur DSA spielt, dessen Bedürfnisse werden auch zumindest hinreichend befriedigt. Nun ist es bestimmt so, daß Menschen wie ich, nach Perfektion auch in der Freizeitgestaltung streben. Und die eine Begeisterungsfähigkeit und Leidenschaft für die Spielform aufbringen, die sie veranlassen, ihr Spiel zu neuen Höhen in den ihnen wichtigen Dimensionen zu führen gedenken. Aber den Spielern ist das egal, vor allem, wenn man mit Kumpels spielt.
So ist es ja mit den meisten Freizeitaktivitäten: halbwegs funktionierende Tätigkeiten werden durchgeführt. Wieviele halbgare Diskobesuche hat jeder schon erlebt? Wieviele verkorkste Reisen, wieviele lahme Museumsbesuche, wie oft war man im Zoo und hat als Tagesereignis ein Eis gegessen, obwohl man bei besserer Planung, Vorbereitung und Koordination
die gleiche Zeit produktiver oder aber auch spaßoptimierter hätte gestalten können?
Das Mittelmaß ist sich selbst oft genug, und bei gewissen sozialen Gegebenheiten durchaus wünschenswert. So wie es auch Sitte ist, bei Familientreffen reichlich Nahrung und Alkohol darzubieten. Denn was soll man um alles in der Welt mit solch einem heterogenen Haufen auch sonst machen? Da sind Essen und Trinken willkommener Zeitvertreib, vor allem: wer wollte etwas anderes organisieren oder gar durchsetzen?
Und so ist auch der Rollenspielmainstream gezeichnet von den Rahmenbedingungen. Hier die hofratschen Fundamente des populären Rollenspiels:

1) es muß eine wie auch immer geartete Teilnahme an einem Abenteuer ermöglichen
2) es muß topoi ansprechen, die in der Zielgruppe mehrheitstauglich sind
3) es benötigt möglichst weithin verfügbare und bekannte Lerntexte, die einem Nr. 1) zuverlässig liefern

Und das trifft auf DSA zu. Persönlich habe ich qualitativ höhere Ansprüche an meine Spielzeit, gerade weil mich das vermurkste Mittelmaß zu anderen Gelegenheiten sehr schnell langweilt. Aber mit Qualität hat der Erfolg von Rollenspielen sehr, sehr wenig zu tun. Ja, das gilt auch für D&D. Langfristig zeitigt natürlich die weitaus höhere Qualität von D&D im Vergleich zu DSA haufenweise Unterschiede, die wir alle schon ventiliert haben. Auch die Folge der unterschiedlichen Lerntexte: geschenkt.
Vergessen werden darf aber nicht, daß 99% aller Spieler einfach irgendwie eskapistische Abenteuer erleben wollen, und deswegen Vorgaben, von wem auch immer, folgen. Daraus erwächst eine überragende Verantwortung des Spielleiters/Organisators. Wie er dieser Verantwortung nachkommt, ist bestimmend für das ganze Spiel.

Alle Aufklärung, die eigenverantwortliches, gutes, zielgerichtetes, Spiel fördern möchte, darf das nie aus den Augen lassen. Ich sehe das immer als Chance und Vorteil, daß die Spieler relativ unreflektiert Spaß haben wollen, und “Are we having fun yet?”-Diskussionen mit Redestein und Fragebögen sind vollkommen nutzlos. Letzlich gestaltet der Spielleiter, und verwirklicht seine Ideen und Ansprüche. Solange diese nicht mit Punkt 1) radikal brechen, wird die Runde irgendwie weiterwurschteln. Und jeh nachdem wieviel Zeit die Teilnehmer so totzuschlagen haben, werden sie nach Spaßoptimierung streben, oder auch nicht.

Gruß an alle hardcore-casual gamer!

Zum O.R.K.

3 Gedanken zu „Warum DSA erfolgreich ist

  1. Just mit diesem Problem sehe ich mich gerade konfrontiert. Mit den zahlreichen, stellenweise ungespielten Systemen aus dem persönlichen Fundus bin ich gewillt, der DSA-Runde Einblicke in ein paar Alternativen zu bieten und was ist? Kein Schwein interessiert sich dafür. Stattdessen arbeiten die treuen Spieler an einer weiteren DSA Runde. Traurig.

  2. Nicht aufgeben, auch einfach mal mit anderen Leuten zocken. Seit ich DSA nur noch leite und andere Sachen spiele, habe ich eine gute Balance gefunden. Es gibt allerdings immer noch viele Sachen, die ich noch nicht ausrpobiert habe 😉

  3. Habe selten einen mit so viel Überzeugung vorgetragenen, unfassbar arroganten Quatsch eines offenkundig beeindruckend selbstherrlichen Trottels gelesen. Hut ab und danke für die Unterhaltung! War sehr erfrischend. Werde mir gern noch weitere Einträge anschauen.

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