Maddrax Rollenspiel: Erste Eindrücke

Wie angekündigt noch ein paar Überlegungen zum Thema. Danke erstmal an Skyrock, an mir wäre dieser Zug glatt vorbeigefahren. Nach einem etwas längeren Blick auf das kostenlos erhältliche PDF, und der allgemeinen Erfahrung übe ich mich ein wenig in Bedenkenträgerei.
Zum Regelwerk:
Sehr löblich ist es, daß 3w6 verwendet werden, nur zu folgerichtig ist das Fertigkeitssystem auch einigermaßen GURPS-ös, hat aber auch ein wenig Harnmasterluft geschnuppert. Doof finde ich wie immer den roll-under Mechanismus, ebenso ist ein automatischer Fehlschlag ab 16 ganz schön Panne, aber das ist ja nun wirklich nicht kriegsentscheidend.
Attribute werden nach Punktekaufsystem verteilt, und alle anderen Sachen berechnen sich aus verschiedenen arithmetischen Mitteln der Attribute. Das finde ich sehr gut, da es Rollenspielneulingen gleich vormacht, wie man ungeklärte Situationen abhandeln kann, und auch gleich als Blaupause für eigene Regelerweiterung liefert. Natürlich kommen hie und da noch Boni und Mali hinzu: geschenkt. Witzig und angenehm verschroben ist die Methode, wie Rassen gehandhabt werden, ihre Attribute werden mit einem rassoattributischen Sonderkoeffizienten multipliziert, um ihre effektive Stärke zu ermittenl. Treu-deutsch hat man dann alle auftretenden rassoattributischen Sonderkoeffizienten schonmal in Tabellenform mit den Ausgangsattributwerten multipliziert. Sehr geil. Junge Menschen lieben sowas, Komplexität ohne anstrengend zu sein, die aber höchstmögliche Genauigkeit und Getreuligkeit bei der Weltverrollung suggeriert.
Die Kampfregeln sind in etwas DSA1. Attacke-Parade, mit 3w6 drunter Würfeln, Schaden-Rüstung wird von LE abgezogen. Unspektakulär, aber ausbaufähig, und vor allem Intuitiv und mit geringem Abstraktionsgrad. Ein Wurf, eine Handlung. Wen man mehr als AT-PA im KAmpf machen will, dann dürfte sich automatisch ergeben, daß man nach dem Schema eine Handlung-ein Wurf improvisiert.
Große Bedenken habe ich hingegen beim Beispielabenteuer und den Spielleiterhinweisen. Das was man in Deutschland eben zu befürchten hat. Roman wird nachgespielt, Texte „stimmungsvoll“ vorgelesen, alles läuft auf ein „Finale“ hinaus. Aber: man macht deutlich, daß man improvisieren muß, und verschiedene Finals möglich sind. Ebenso wird einigermaßen neutral gesagt, daß man dafür sorgen muß, daß alle Spaß haben, ein kleiner RoLoGG Absatz läßt hoffen. Wir werden auf das Heftabenteuer und die Heftspielleiterhinweise warten müssen, um zu sehen ob und wieviel gefährliches Gedankengut auf die Neuspieler losgelassen wird.
Viel Ärger stößt mir auf, daß kaum Material gegeben wird, wie man denn ein Abenteuer zu erschaffen hat. Denn so eine Sword & Planet Welt schreit nach einer Sandbox-Spielweise. Die Welt erkunden, krasse Viecher sehen und Abenteuer erleben, sein eigenes Ding machen. Aber nur zarteste Ansätze von Begegnungstabellen sind biosher realisiert und das jetzige Beispielabenteuer hilft nicht weiter. Denn der Witz and Gonzo spielen ist ja gerade, daß man selbst abgefahrene Ideen entwickelt, die man dann auf Welt und Spieler losläßt. Die Heftreihe zeigt besonders wie gut das geht: Ich sage nur Kristallfestung Waa’Steiner oder die Treks, welche effektiv in einem vergessenen Tal unter ihrem Highlord Enterprise-LARP betreiben. Die Urkatastrophe hat mich ja gleich Begeistert, weil der Meteor Christopher-Floyd hieß. Wie in Dr. Christopher Floyd. Maddrax Hefte sind voller Anspielungen und humoristischer Einlagen, gemixt mit Awesome um echtes GonzoFlair aufkommen zu lassen.
Und wer will denn bitte anderer Leute Gonzoeinfälle nachspielen? Ich meine den Rahmen nutzen ist fein, aber die einzelnen Romane? Nee, was sein muß ist eine Anleitung, wie man selbst sein eigen Gonzopotential nutzt, oder aber wie man wenigstens innerhalb der bestehenden Welt umherreisen kann. Begegnungstabellen, Ruinentabellen, Schrottabellen, Mutationstabellen, Rieseninsektenkonstruktionsregeln etc. pp., all das muß her!

Denn ich bin skeptisch, was das Heftromanleservölkchen angeht. Die die ich kennenglernt habe, ware nervtötend verkrampfte Typen, die das Gonzo Prinzip nicht kapiert haben. Aber das waren Perry Rhodan Settingsklaven, ich hoffe der Maddraxleser kapiert das viel eher. An dieser Stelle sei nochmal der schlimmste aller unkreativen und nervtötenden Perry Rhodan Fans der Welt angeprangert:

Hendryk F. die Wurst! Der war unglaublich. Der einzige Mensch, der aus zwei Spielrunden in einer Woche geflogen ist, wo ich dabei war. Beide Male nach dem ersten Abend.
1. Abflug: Der Babylon 5 SL fragt, ob denn alle nächstes Wochenende können. H „the Sausage“ F, nee da könne er nicht, da müsse er sein Aquarium putzen. Bitte was?! Danke, wir rufen Dich an ruf Du nicht uns an.

2. Abflug: Mechwarrior beim besten Spielleiter aller Zeiten, Martin Kort. „The Sausage“ steht mitten im Spiel einfach auf und geht ohne zu fragen an Martins Modell- und Bücherregal, nimmt ein Buch, setzt sich hin und liest. Aber es kommt noch besser: Wir sind in einer Schlacht, die nach bewährtem ad-hoc geregelten GMV a la KorTech abläuft, es war also viel eher eine rollengespielte Schlacht, als ein BattleTechturniergefecht, währendessen er DIE GANZE ZEIT rumgemosert hat, daß er einen „schlechten Mech“ bekommen habe. Auf unsere mehrmaligen vermittelnden Hinweise das Gemeckere zu unterlassen reagierte er nicht, denn der Mech sei ja objetiv Scheiße. Also ich habe bei Martin mit einem UrbanMech angefangen, er hatte einen Holländer, ein wie wir alle fanden formidabler Mech. „The Sausage“ hatte dann noch die unglaubliche Menschenkenntnis um uns tatsächlich allen einen Vortrag über den Todessprung zu halten. Nachdem er dem weltbesten Spielleiter mit dem Satz: „Der schwebt die ganze Zeit in der Luft und kann erstmal eine Runde lang von jedem beschossen werden!“ angefaucht hat, war dann alles klar. Ich glaube, er ist noch nichtmal mehr gefragt worden, ob er mit zum Italiener will.
Dem fehlten jegliche Sozialsensoren, der war Schmerzfrei. Das Schürfste war, als er die Freundin eines Gastgebers vor des Gastgebers Augen angrub. Nicht, daß er jeh eine Chance gehabt hätte. Der hat die Einschläge einfach nicht gehört, egal um was es ging.

Er schrieb kanontreue Perry Rhodan FanFic.

Zum O.R.K.

19 Gedanken zu „Maddrax Rollenspiel: Erste Eindrücke

  1. If you want to save German roleplaying, here’s what you need to do:1. Overcome your DP9 hate-on and get hold of the Gear Krieg RPG.2. Behold the majesty that is James Maliszewski’s random pulp adventure generator.3. Xerox said generator and send it to the guy who’s writing that Maddrax thing. Just tell him to find/replace „Mad Nazi professors with Tesla guns“ with „Naked Amazons on Tigers.“ That way you get both randomness and planetary romance setting specificity. QED, world saved.

  2. I LOVE(d) DP9!You were the one pointing out that they aren’t actually following the GDW-school, and theat i was fooled by their hardware books.I have a healthy GOO hate on, though.

  3. Whoops, I got our prejudices mixed up! ;)I think I know why: To me, DP9 = Tribe 8. To you, DP9 = Heavy Gear. Worlds collide!

  4. schön, dass der mann, der selbst nicht mit klarnamen im netz erwähnt werden möchte, einfach so privatpersonen „outet“…

  5. Nicht das der „Klarnahme“ nicht bekannt wäre – zumindest ist es nicht schwer ihn, und mehr, herauszufinden. ;)Aber schlimmer als das „Outing“ finde ich, dass man hier so ein „wir fanden den doof, weil er doof war“-Bla Bla zu lesen bekommt. Interessiert doch niemanden welche merkwürdigen Spielfreunde der Blogger hat. Das Maddrax Rollenspiel interessiert da schon viel eher. Ob die neue Version, genau die gleiche Version, wie die alte Version, sein wird (na, dreht sich der Kopf schon?) – sehen wir dann. Den geforderten AD&D Würfeltabellenschwampf wird man hoffentlich nicht im Maddrax Rollenspiel sehen.

  6. …Womit ich mich auf den Tabellenkommentar beziehe. Wer nicht weiß, wie man Zufallstabellen für überlegenes Rollenspiel einsetzt, mit dem habe ich Mitleid.Was Klarnamen angeht, so kann Martin garnicht vielfältig und oft genug gelobt werden, kein Nachteil wird ihm entstehen. Was „the Sausage“ angeht, so wird sich der reale HF wohl damit abfinden müssen, daß sein Vorname und Inititalen hier ausgebreitet wurden, mE ebenfalls niemandes Privatsphäre verletztend.Lustig aber, daß uns zwei anonyme sowas sagen. Interessant.

  7. „Überlegenes“ Rollenspiel gibt es nicht (auch wenn diverse Menschen dieser Meinung sind). Es gibt nur Rollenspiel das Spaß macht oder nicht. Macht das Rollenspiel Spaß – egal in welcher Form – hat es seine Mission erfüllt. Das allein zählt! Was darüber hinausgeht, ist engstirniges Geschwätz.Anonym oder Phantasiename, was macht das für einen Unterschied? Das Ergebnis ist das Selbe.

  8. Wer schreibt denn, dass man sie nicht einsetzen kann? Man will sie bloß nicht einsetzen, weil man sie nicht mag.

  9. Wenn ihr Euch so an Settembrinis Blog stört, dann macht doch selber erstmal einen! Nur meckern kann jeder!…..Sorry, ich musste einfach 🙂

  10. Einerseits… was soll’s? Man muß den Würfeltabellenschwampf nicht benutzen, wenn man ihn nicht möchte. Andererseits… wie viele Rollenspielrunden benutzen Zufallswürfeltabllen eigentlich noch so, dass ihr Sinn sie rechtfertigt? Oder sind nur die D&Dler dran gebunden?(Gibt es diese Tabellen in D&D 3.X überhaupt noch, sind sie gar für die 4er Version angekündigt? Ich bin Nicht-D&Dler weil mich das Produkt nicht überzeugen konnte – darum die Frage.)“Abgrund“ in Deutschland:Wieso kriegen die „ARS“ Verfechter eigentlich gleich einen allergischen Anfall, wenn man sagt, dass man diese Spielweise nicht so unglaublich absolut großartig findet (da man schlicht anderer Ansicht ist), wie sie selbst? Mich würde nämlich interessieren, woher diese obligatorische Intolleranz kommt.

  11. Erkläre uns doch bitte, was an Zufallstabellen veraltet und schlecht sein soll.Dann können wir weiterreden.

  12. Zum einen, habe (und will) ich kein ‚allgemeines‘ Qualitätsurteil über Zufallstabellen äußern. Zum anderen, muss differenziert werden: Ich persönlich bin der Ansicht, dass die Standard-Encounter-Tabellen wie bei AD&D schlecht sind, weil sie nichts zur Geschichte beitragen. Da trifft man 2W6 Gegner und haut sie tot, das war’s. Das halte ich für eine reine Beschäftigungstherapie. Doch es gibt Zufallswürfeltabellen die es besser machen. Zum Beispiel die aus der Battletech Box „Solaris VII“. Diese Tabllen tragen – im Gegensatz zu den AD&D Tabellen – zum Abenteuer bei. Weil daraus vielfältigere Situationen entstehen können, als dass man nur 2W6 Gegner trifft.

  13. Zufalltabellen geben mir den Eindruck was in einer Gegend passieren kann. Eine dieser begegnungen wird ausgesucht und kommt dann vor.Außerdem gibt es noch eine Begegnung, wenn die PCs sich länger aufhalten, schließlich sind sie in einem gefährlichen Gebiet.Also auf der Reise vom Königshof zur Drachenhöhle durch Farmland gibt es eine Zufallsbegegnung mit Hyänen an der verkohlten Leiche eines königlichen Botenreiters.Reisen die stattdessen durch einen Sumpf treffen sie einen Echsenmenschengeist.Zusätzlich in der Ebene einen Bauern und sein verkohltes Pfluggespann oder den Steuereintreiber mit dezimierten Leibwachen. Im Sumpf ein riesiges Krokodil oder eine Bullywugpatrouille.

  14. Du Wurst! Hast du mal aufs Datum geguckt? 2001! Was sagt dir das? Genau! Bei dem verlinkten PDF handelt es sich mitnichten um dasjenige welches nunmehr in den Läden steht. Es ist alt! Alt, alt. Deswegen heißt das neue auch „reloaded“. So.

  15. Genau, muss da (als Autor des neuen Rollenspiels) unbedingt ergänzen, dass das mit Band 200 veröffentlichte Maddrax-Rollenspiel _nichts_ (außer Bildern und etwas Gliederung) mit dem Maddrax-RPG-PDF zu tun hat!Der neue Entwurf der Regeln betont geschichtenorientiertes Spielen, einfache Regeln und schnelle Mechanismen. Und immerhin bekommt man auf 66 Seiten alles, was man braucht… nicht auf x100 😉

  16. Das hätte ich wohl klarer sagen müssen. Mir WAR das auf jeden Fall klar, jetzt ist es hoffentlich JEDEM klar. Wer den englischen Beitrag und die Kommentare gelesen hat, der kann sehen, daß dem so war.Ansonsten freut es mich sehr, daß Herr Biskup hier mitliest, und daß er das Maddrax:Reloaded so excellent hinbekommen hat!Weiter so!

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