Auf der Bildungsachterbahn

Tilly ist ne Pottsau, sagten schon die magdeburgisierten Magdeburger. Mich persönlich hat er auch noch getroffen, denn während der Wallenstein-Aufführung die derjenigen, die ich besuchte vorausging geschah Schreckliches zu den Versen, die wegen Tillys Einsatz von Massenvernichtungsmitteln gedichtet wurden. Während eine Dame

"Schon fließt das Blut die Straße hin,
Wo fliehn wir hin, wohin?" oder einen anderen Teil des Liedes

In wahrhaft gruseliger, apokalyptischer Intonation vortrug, rollten Petersteins Hilfstruppen riesige Trennwände und Kulissenteile auf der Bühne hin und her. Eine davon über Klaus Maria Brandauers Fuß. Komplizierter Splitterbruch, Schienen, Notoperation, Charité, trotz eisernen Willens kein Können, ab nächste Woche im Rollstuhl, aber Peter Stein liest uns den Wallenstein im Gewande und gestikulierend; so Peymann mittelmäßig dramatisch.
Peter Stein als Wallenstein, also Peterstein war ganz gut. Aber eben nicht aufsteh-gut, nach zehn Stunden applaudierte und fußtrommelte man dennoch nicht der kollektiven Zähigkeit sondern einer Weltklasseinszenierung. Wenn Theater immer so wäre, wär ich Abonennt. Man muß sagen, daß man dem Stück in allen Andeutungen und vom Verlaufe der Rahmenhandlung her nur mit Vorbildung begegnen kann. So wird „der Gustav“ gesagt, und Schiller erwartet wohl, daß jeder versteht, daß es Gustav Adolf, König der Schweden ist. Ebenso wird Lützen mehrfach erwähnt, aber mehr oder weniger vorrausgesetzt, daß man die Meistererzählung zu Lützen kennt, ebenso die Meistererzählung zum katholisch-habsburgisch-evangelisch-ständischem Gegensatze. Man kann, so konnte meine Begleitung mir versichern, dem Stück folgen, ohne die Vorbildung. So muß Schiller das also mehrschichtig angelegt haben, dem Kenner der Materie historische Schmankerl eingebaut, dem Unkundigen genug Wiederholungen des Allerwichtigsten als das dieser folgen kann und auch noch historisch belehrt wurde. So muß es sein!
Äußerst löblich fand ich die getreueliche Requisitierung und Gewandung, ja so muß man sagen, Gewandung. Allein die melodische Interpretation des „Wohlauf Kameraden auf’s Pferd, auf’s Pferd“ bzw. „Reiterlied“ störte mich, da hätte man bei der populären Version bleiben können, beim Pappenheimer Marsch (von der Gewandungs-Kapelle immer und alles Live begleitet) tat man das ja auch.
Das Publikum war interessant, mit der Endzwanzigerdame hinter mir kam sogar ein wenig fachsimpeln auf. Sie war im übrigen sehr drollig, fieberte hörbar mit. Als gen Ende Wallensteins Hausdiener mit dem Spieß getötet wurde ging von ihr ein Seufzer des Erschreckens und der Bedauerung ob des armen, alten, treuen Mannes aus.
Von Golo Manns zu Schillers Wallenstein, dann wieder Unmengen von Tagungsbänden und ähnlichem Gedöns, zur Entspannung ein wenig Paul Kennedy, Delbrück, Ortenburg. Dann traf der erste Band mit Maddrax Nachdrucken (1-5) ein.
Bildungschamäleon das ich meine zu sein, kein Problem. Aber doch ein Problem, Sprache und Satzbau lesen sich flüssig, da erwartete ich keine Schwierigkeiten. Aber diese Langatmigkeit! Gesülze, wo schon alles klar ist. Schön, die Action ist angemessen blutrünstig und kurzweilig. Aber die Introspektiven! Will ich nicht wissen! Ihr sollt handeln, nicht denken! Dadurch wird das ganze unnötig aufgebläht, Spaß macht das so nicht. Zuviel Text für zuwenig Handlung, gebenedeit sind sie gewesen, die Altvorderen, die mehrere Pulp-Stories in einem Heft vorfanden!
Ansonsten solide Kost, immer wenn der Held dran ist und agiert, fand ich es kurzweilig, Maddrax entdeckt die Welt und erlebt Abenteuer, super. Aber die Ansichten und Blenden zu anderen Parteien nervten ungemein, zerstörten die Immersion durch Langeweile. Aber Heftromane kann man ja querlesen, und so werde ich auf Klo weiterquerlesen. Ungemein angenehm ist die ironische Brechung bei Maddrax, die Leute in der Welt nehmen sich ernst, der Autor dieselben aber nicht ganz. Das tut gut, und ermöglicht auch Erwachsenen die Maddrax-Lektüre, Mehrschichtigkeit erweitert wie bei Schiller das Publikum.
Lesen MUSS man das nicht. Aber man kann. Und das ist mehr als ich von Hohlbein und Co sagen würde.

Lesen-Text-Zeilen->Überleitung

Abt.: Zwischen den Zeilen Lesen.
Das solltet ihr bei Drudenfuszens Odysse-Nachbericht. Ich war nicht da, aber wenn ich ihn richtig verstehe, dann war da nicht viel los. So eher ziemlich wenig. Die anderen Nachberichte halten sich eher mit dem Frühstück-Rundenorga-Geselligkeitsdreiklang auf, der aber eben Teil des Problems und nicht der Lösung ist. Danke an Drudenfusz für die Sicht auf den Con, die wirklich zählt: die Spiel(leit)ersicht!
Wir scheinen nichts verpaßt zu haben, wir haben es ja gesagt, die Probleme sind benannt. Sie sind strukturell. Und zwar bezüglich der Personenstruktur.

Da Frank Heller und Drudenfusz dauernd einen saufen gehen, entnehme ich Drudenfuszens Anmerkungen zum Gespräch mit U(nser) A(ller)-Jasper, daß Herr Heller immer noch paranoide Anwandlungen gegenüber Struckens Unknown Armies auf Deutsch hat. Merkwürdig, daß er sich dann aber für CoC Now immer wieder UA-Abenteuer ausborgt. UA, doch das bessere CoC-Now, Hellers Konkurenzdenken berechtigt? Wahrlich ein alter Hut, scheinbar noch aktuell.
Ihr Horror-SLs (Doppelsinn!), sagt es mir.

zum O.R.K.

6 Gedanken zu „Auf der Bildungsachterbahn

  1. Sei mir nicht böse, aber Drudenfusz schreibt so einen Quark, soll er erstmal die Rechtschreibung beherrschen, dann kann man ihn und seine Berichte auch ernst nehmen.Und Du lieber Settembrini dichtest da auch mehr rein als wirklich zu lesen ist. Schöne neue Welt. 🙂

  2. Drudenfusz schreibt Quark? Aber nicht doch – immerhin hat seine Wenigkeit die Floskel „meine Wenigkeit“ schon entdeckt – und nutzt sie auch mit schöner Häufigkeit. Das erfreut, entstünde doch sonst der Eindruck, seine Wenigkeit hielte wenig von seiner eigenen Wenigkeit. Daß weniger mehr gewesen wäre und beim Leser (meiner Wenigkeit) weniger Übelkeit verursacht hätte wollen wir mal als Nichtigkeit verorten und es mit weniger Wichtigkeit ausstatten.Aufschlussreich finde ich aus Spieler-/Spielleitersicht die ausführliche Beschreibung des Schlafverhaltens des Autors – genau das will ich wissen. Ich halte es auch nicht für bescheuert, die Nacht durchzumachen, obwohl niemand sonst wach ist. Nein, überhaupt nicht. Immerhin kann man so eigene Rekorde brechen – wie sinnlos sie auch sein mögen.Auf einer Convention zwei Runden des selben Spiels zu spielen ist eine Aussage, die mich ein wenig stutzig macht. Kann sowohl für das Spiel als auch gegen das Programm (zu wenig interessante Alternativen?)sprechen – kann ich als Nichtbesucher auch nicht beurteilen. Aber weniger als 90 Besucher fällt in der Tat unter „nicht viel los“.

  3. Man braucht ja im Grunde nur 4+ Leute, damit die Con sich lohnt.Solange jeder in einer Runde spielt ist es relativ Rille, wie viele Leute sonst auf der Con so rumschwirren.

  4. Den in der Tombola gewonnenen Shadowrun Roman (Schattenlehrling) habe ich schon durchgelesen. Und er enthielt auch eine gehörige Menge Introspektion.Maddrax 200 habe ich nach 15 Seiten beiseite gelegt um mich Forty Signs of Rain zu widmen.Anschließend kriegt er nochmal eine Chance.

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