Fluff, Crunchy Bits & Honig

Spätestens seit Robin’s Laws of Good Gamemastering [RoLoGG] kennzeichnet man die gefühlte Dichotomie zwischen Regeltexten und eher beschreibenden Texten in Rollenspielprodukten mit den Begriffen Fluff & Crunch (verkürzt aus dem Original; dort ja crunchy bits).

So verkürzt, wie der Name des Einen so verkürzt die Bedeutung und Bewertung des Anderen in der tatsächlichen Benutzung, z.B. hier.

Letzlich sind auch die Lawschen Crunchy Bits enger zu verstehen als das, was landläufig (obiger link soll stellvertretend die “landläufige” Definition aufzeigen) alles damit bezeichnet wird.

Laws crunchy bits sind laut seiner eigenen Definition (S. 8), ich paraphrasiere: Charaktermachtbausteine.

Im weiteren Text, gerade wo sich Laws in die unsichere Gewässer der lax gedachten und locker ausgeführten Spielertaxanomie begibt, weicht er diese Definition auf, so daß er an der landläufigen Gleichsetzung von Crunch == Regelelemente nicht ganz unschuldig ist.

Den Wert und die Grundlage jeder Apologetik des Fluffs liefert Laws auch auf Seite 13 selbst, was ungefähr keiner beachtet; ich paraphrasiere: fluff = Weltbeschreibung, und also nützlich für das Spielen in der Welt; verkürzt die Wege zur (emotionalen) Einbindung der Spieler in eine Kampagne.

So könnte man es bewenden lassen, und so tut es Laws auch, er reitet nicht seit fünf Jahren mit diesen Begriffen durch die Landschaft. Er sei hier also als entlastet zu betrachten und gedanklich abgeheftet. Gedanken eingeführt und skizziert, genutzt für einen Essay — und gut; so kann es gehen, so ist kein Fehl daran. Entspricht auch dem angelsächsischem akademischen Ductus, schwer verträglich mit den Definitionsringkämpfen, die zum deutschen geisteswissenschaftlichen Ritual gehören

Implizit hat sich aber schon eingebürgert, Fluff eine Nutzlosigkeit für das Spiel zu unterstellen. Selbst Laws ließe sich so lesen, was die meisten ja auch tun. Selbst bei einer positiven Bewertung von Fluff wird die emotionale Bedeutung hervorgehoben, oder gar mit der Dichotomie der Wissenschaftskulturen in Verbindung gesetzt.

Was zu nichts führt.
Denn.

Es gibt zu bedenken, daß es sehr viele Spielsituationen gibt, viele Spielmodi, die man in verschiedenen Runden, oder gar am gleichen Abend durchlebt. Nur wenige Spiele, bleiben die ganze Zeit im gleichen Modus.

Eine Spielphase, also realzeitliche Einheit, hat einen Spielmodus, der sich zusammensetzt aus:

1) Perspektive
2) Zeitmaßstab
3) Raummaßstab
4) Verhandlungstechnik

Verhandlungstechnik dürfte manchen schwer verständlich erescheinen, ich verweise auf meine Definition von Rollenspiel im allgemeinen. Zur Illustration sei gesagt, daß man als V-Technik das einfache abwägende Gespräch, einen Fertigkeitswurf oder z.B. auch das Nutzen eines Kriegsspiels (auch: CoSim) bezeichnen kann.

So wird klar, daß, je nach Spielmodus, ein Element aus einem Rollenspieltext seine Relevanz erhält.

Anders gesagt: Relevanz am Spieltisch, für das tatsächliche Spielen am Abend, ist relativ, und hat seinen Bezugspunkt im Spielmodus.

Wenn ich eine Spielphase habe, in der die Personnagen sich selbst als marktmanipulierende Psychohistoriker probieren, dann werden Indingofruchtpreise, Containergrößen, Feiertage und Eßgewohnheiten der Sektorbevölkerung zum relevanten Crunch.

Wenn wir also genau hinschauen, ist die Dichotomie vollkommen hinfällig, da Relevanz relativ ist. Wer da implizit von einem einzigen Spielmodus ausgeht, der übersieht (oder offenbahrt Unkenntnis) eben die Vielfalt der Spielmodi.

Ohne alles umstürzlerisch für Null und Nichtig zu erklären, sollten wir zumindest eingedenk der Tatsache bleiben, daß man aus jeder Textstelle eines Produkts für bestimmte Spielmodi Honig ziehen können.

Zum O.R.K.

4 Gedanken zu „Fluff, Crunchy Bits & Honig

  1. Und der Urlaub hat ihm gut getan, denn: Er präsentiert sich hier in seinem neuesten Beitrag ungewohnt sachlich und friedfertig. So wie es sein sollte und wie es auf mehr positive Resonanz stoßen wird.

  2. Ack… a Link to my blog and I can’t read German!!!! Babel Fish allows me to see that it’s a discussion between Crunch and Fluff and something about a Yardstick… 🙂 And that you feel that the distinction lacks…. something.. :)Set, if you could please post an English Summary of your points on my original post on the new site it would be greatly appreciated!Thanks!

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