Modernes Spielleiten

…kann, wie dem Stammleser klar sein dürfte, sich nur auf eines beziehen: Handwerkliches. Was hat die Gegenwart an objektiven Verbesserungen zu bieten? Zumindest eine Technik, ich nenne sie spaßeshalber mal „Bildersturm“. Ich kenne den Bildersturm von MASTER-BLASTER, der ihn kompromißlos umgesetzt hat, auch wenn die Bildersturmlogik an sich nicht neu ist.

Was sind die Zutaten?

– (Breitband-)Internetanschluß
– Kreditkarte
– Laserdrucker

Dies sind die nutzerseitigen Vorraussetzungen. Auf seiten der institutionellen Vorraussetzungen sind das Vorhandensein von pdfs der Rollenspielwerke zu nennen.

Wie sieht das dann konkret am Tisch aus? Der Spielleiter baut eine „Wall of Visuals“ auf, indem er zu seinen einleitenden Redebeiträgen, Ereignissen und auftretenden neuen Figuren mehrere grob ausgeschnittene gedruckte, passende Bilder den Spielern entgegenpfeffert; in diese „Wall of Visuals“ werden dann die Aussagen eingemeißelt. „No sensation without representation!“ ist der Schlachtruf des Bildersturm-SLs. Damit der SL genug Verfügungsmasse hat, sind PDF-Produkte oder Web-Enhancements extrem notwendig und haben großen Mehrwert. Das Paizo-Dungeon-Tandem hat da große Pionierarbeit geleistet. Flankierernde Abbildungen sucht sich der Bilderstrum-SL aus dem Netzt, alten Produkten, oder scannt auchmal, wobei das die Taktzahl und das Tempo des SLs aufzuhalten droht. Schnelles runterladen, schnelles drucken, schnelles ausschneiden (vor dem Spiel!) macht diese Technik zu einer effektvollen am Tische selbst. Sobald es in der Vorbereitung zu aufwendig wird, verliert diese „Kolonnentaktik des Immersionsaufbaus“ die Wucht. Interessanterweise wirken die gängigen S/W-Laserausdrucke oftmals besser als die Farborignale, zumindest aus meiner Spielersicht.

Ich selber habe das auch ein paar mal schon probiert, und fesgestellt, daß die verlagsseitige Infrastruktur ein wichtiger Faktor ist. Persönlich leite ich meist mit Abbildungen, die eine höhere Halbwertzeit haben, oder die ich selber erstellt habe, mit denen man auch im Spiel arbeiten kann. Eine ganz andere herangehensweise, aber eben weniger Wucht entfaltend als der Bildersturm. Die angesprochene Notwendigkeit der schnellen digitalen Verfügbarkeit einer ausreichend großen Zahl zweckdienlicher Abbildungen habe ich bisher festgestellt für:

– Legacy D&D (Illustration Booklets zu einzelnen Modulen!!)
– Paizo-Adventure Paths (bislang ungeschlagen)
– Rifts

Merkwürdigerweise wird es für offizielle WotC-Module dann sehr dünn. Schlechtere und weniger Abbildungen & Karten, nicht einfach so digital erhältlich. Auch DDI enttäuscht da ungemein, die 4e ist keine Lösung. Wenn MASTER-BLASTER also mal sinngemäß sagte, was soll er sich mit Kassettenrecordern rumärgern, wenn er nen MP3Player haben kann (zum Thema warum 3.5 und nicht AD&D), so kann man ihm, zumindest was den „Bildersturm“ angeht, zustimmen: Paizo ist auf der Höhe der Zeit, und schuf Möglichkeiten und Mehrwerte, die es vorher so nicht gab, und bei vielen anderen immer noch nicht gibt.

Ich sehe nicht, daß das nicht auch effektive Techniken für alle Spielstile sein sollten. Also Ulisses: Mehr Illus, und die als Web-Enhancement anbieten. Bei Cthulhu gilt das doppelt. Warum das alles so vordigital rumdümpelt, mir ein Rätsel.

Im Übrigen sei auf die aktuelle Regression von WotC hingewiesen…

Zum O.R.K.

5 Gedanken zu „Modernes Spielleiten

  1. Hi,warum ausgedruckte und -geschnittene Illus? Gibt es dafür nen speziellen Sinn oder Zweck?Wir verwenden zu dem Zweck der visuellen Unterstützung nen Beamer und darauf sowohl die Systemeigenen Illustrationen, als auch ne Menge Concept Arts (meist von PC-Spielen).Grüße, der gespannte Amnad

  2. Gebeamte Sachen sind „ephemer“, flüchtig. Das Gedruckte liegt zum Anfassen und immer wieder draufgucken auf dem Tisch. Bei Dungeons ist das Beamen natürlich Königsdisziplin, aber auch da macht man sich von den Verlagen abhängig, so man nicht dauernd selber kartieren möchte.

  3. Ich denke mal, ein Problem ist schlicht auch, dass gute Bilder teuer sind – hinter einem Bild stecken schonmal 20 Stunden Arbeit. Hinter einem Storytext für eine DinA4-Seite dann doch etwas weniger (dafür in der Struktur wieder mehr). Vielleicht wäre es eine Möglichkeit, Fan-Bilder direkt einzubinden, schließlich muss die Illu für den Spieltisch nicht immer professionelle Qualität haben -> Verlage sollten deviantart anbinden 🙂

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