Trinitätsplaudereien

Es ist ja immer ganz gut, wenn man sich seiner eigenen Beschränktheit gegenwärtig wird. Da wir hier ja immer wieder über Krieg, Spiele und Kriegsspiele reden werden, ist es nur Recht und billig, nochmal kurz die Basis meiner Gedanken darzulegen:

Kant-Clausewitz-Delbrück

Ohne das alles auszuwalzen, sei ganz kurz angedeutet, wie der Zusammenhang besteht. Kant ist natürlich der Nährboden (Nord)deutscher Spätaufklärung und Nachaufklärer, zu denen ohnzweifel auch Clausewitz gehört. Zumindest für die Fragen, die uns hier umtreiben, können wir mit gewisser inneren Wahrheit, wenngleich sie äußerlich widerlegbar sein mag, sagen: Clausewitz ist militärischer Exponent des Deutschen Idealismus .

Wenn wir sozusagen Clausewitz also nicht als eine Ecke der Trinität, sondern als Mittelpunkt einer Linie sehen, und so sehe ich das, dann ist die Frage klar:

Wer ist nun Hans Delbrück?

Er ist kaum als weniger zu nennen, als der Messias, den Clausewitz prophezeit oder herbeigesehnt hat:

Unendlich groß wäre das Verdienst, den Krieg in lauter historischen Beispielen zu lehren, wie Feuquières sich vorgesetzt hatte: aber es wäre reichlich das Werk eines ganzen Menschenlebens, wenn man bedenkt, daß der, welcher es unternimmt, doch erst durch eine lange eigene Kriegserfahrung dazu ausgerüstet sein muß.

Wer, von inneren Kräften angeregt, sich ein solches Werk vorsetzen will, der rüste sich zu dem frommen Unternehmen mit Kräften wie zu einer weiten Pilgerfahrt aus. Er opfere Zeit und scheue keine Anstrengung, er fürchte keine zeitliche Gewalt und Größe, er erhebe sich über eigene Eitelkeit und falsche Scham, um nach dem Ausdruck des französischen Kodex die Wahrheit zu sagen, nichts als die Wahrheit, die ganze Wahrheit.

– Vom Kriege, 2. Buch, 6. Kapitel

Dieser Mann war Hans Delbrück, und er tat, wie es Clausewitz aufgetragen hat, Wort für Wort. Wer weiter oben im gleichen Kapitel schaut, wird sogar sehen, wo Clausewitz mit einem kleinen illustrativen Beispiel den Grundstein für Delbrücks wissenschaftlich-gedanklichen Werdegang liefert:

Wie wenig wir auch von dem Hergang der Schlachten der Schweizer gegen die Österreicher, Burgunder und Franzosen unterrichtet sind, so finden wir doch darin zuerst die Überlegenheit eines guten Fußvolkes gegen die beste Reiterei mit den stärksten Zügen ausgesprochen.

Und hier sind wir in Windeseile bei D&D: Gary Gygax der US-Schweizer. Der Abschnitt über Stangenwaffen ist von Gary mit Andeutungen versehen, Marke: „Wer die Geschichte der Stangenwaffen versteht, der versteht die Kriegsgeschichte.“ Das ist nur zu verstehen im Zusammenhang mit den Burgunderkriegen, die von EGG eben mit der Muttermilch aufgesogen wurden, weiten Teilen aber immer wieder in Vergessenheit geraten. Chainmail ist nichts anderes als geronnene Schweizermilch mit Burgundergeschmack.
Was Gary auch klarer hätte machen können, ist daß die Geschichte der Stangenwaffen eben interessant ist in seiner Form als (lange Zeit) rätselhafter Zusammenhang von Spieß und Speer.

Und daß tatsächlich in der Folge der Entwicklung und Forschung von Hans Delbrück, daß tatsächlich eben die Fragen zwischen Speer und Spieß Keim waren für den Schlüssel zur modernen Militärgeschichte, das finde ich bemerkenswert von EGG bemerkt.

Zum O.R.K.

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