The Soul of Sorceror

Man kann Ron Edwards vieles vorwerfen, und das hat man auch. Aber eines kann man ihm nicht vorwerfen: er sei schwer verständlich. Zumindest die Sorceror Bücher sind sehr klar geschrieben. Ich kann kaum verstehen, daß so viele Leser in der Vergangenheit ein Verständnisproblem hatten. Andererseits kann ich mir schon vorstellen, warum das Spiel an sich andauernd scheitert, aber das ist eine andere Geschichte.

Wie der eine oder andere weiß, trage ich mich schon lange schwanger an dieser Rezension, doch sie wurde durch eine bestimmte Sachlage eben nicht abschließbar: Ich hatte keinen Zugang zu dem Supplement „Sorceror’s Soul“.

So hat also lange, lange Zeit meine Rezension zu Sorcerer selbst n etwa so ausgesehen:

– Ron Edwards mag kein Vampire

– Ron Edwards hat D&D nicht verstanden

– Ron Edwards will Kleinbürgerdilemmata immer wieder bespielen

– Ron Edwards ist X-Men Fan

Daraus läßt sich klar ableiten, warum Sorceror so ist wie es ist:

– Er brauch Superhelden

– Sie müssen „darqué“ sein, aber keine Vampire

– Also: Paktierer

So weit, so logisch. Das restliche Spielleitergschwalle von ihm läßt sich alles auf den Nenner bringen, daß er nur Murksiges Spielen erlebt hat, und nun die normalsten Spielleitungstechniken wiederentdeckt. Was ich von sowas halte, weiß man ja.

Sorceror ist aber aus einem anderen Grund eine Riesenfrechheit: Es ist ja viel mehr Besinnugnsaufsatz als richtiges Spiel. Vor allem fehlt der ZENTRALE Teil: Die Regeln für Humanität des Paktierers. Also die eigentliche und spielentscheidende Währung, das was der originäre und spezifische Bausteinkomplex von Sorceror sein muß. Und so auch dargelegt wird.

Exkurs: Über Sorceror & Sword ließe sich viel sagen. Es hat sich aber begeben, daß die Old School Ruckus-Leute das Genre S&S rauf und runterdurchleuchtet haben, erst heutigertags. Und also müßte man diese Interpretationen und Kenntnisse nebeneinanderstellen. Dies scheint mir keinen Nährwert zu haben. Sorceror & Sword hat sich volkommen überlebt, da noch auf die Schwächen einzugehen ist Banane.

Kommen wir also zur Seele von Sorceror, „Sorceror’s Soul“.

Es ist sogar die Seele der gesamten Storybewegung. Und siehe, was ich in 1,5 Jahren herausgearbeitet habe, damals so etwa bis 2007, das steht da Schwarz auf Weiß. Ohne Reue, ohne Scham, und das ist schon ein starkes Stück. Ebenso schamlos ist die Art, wie Ron Edwards in seinen Büchern dauernd erwähnt, daß er ja so viel Geld damit verdient hat. Denn die Bücher sind sehr, sehr dünn was erarbeiteter wiederverwendbaren Inhalt angeht. Der absolute Schlag ins Gesicht ist da Sorceror’s Soul, da dort gefühlt die Hälfte der Seiten aus Forge-Diskussionsthreads kopiert wurde. Und zwar ganz ausdrücklich. Kopfschütteln.

Also, was steht da ohne Scham und Reue, sogar mit Stolz verkündet?

Ich zitiere:

„What can go „wrong“ with Humanity and what happens to the Humanity of the various characters are the story.“

Aha, eine Storydefinition, wenn man weiß was Ron Edwards mit Humanity meint, wäre nun alles klar. Es steht auch vorher im Buch. Der nächste Satz beinhaltet aber die gesamte Essenz allen dessen was er je „entwickelt“ hat. Alles was man zum Sorceror spielen braucht, bzw. das was jemals dazu tatsächlich ausgearbeitet wurde steht in dem Satz:

„So the #1 priority in preparing a scenario is a back-story that is composed of functional and dysfunctional human relationships, and therefore is ripe for including demonic elements.“

Im Rest des Buches wird weiterhin klargemacht:

– alles andere, wie Ereignisse, Materie, Orte uvm. sind alles Chimären und ALLES geht IMMER um „dysfunctional human relationships“ und „how low can you go“.

– Spielerwerterauskitzelporno ist Tiefe

Und aus all dem ist es auch volkommen stringent, klar und unausweichlich WOHER denn diese Szenarios kommen sollen. Aus dem Krimi des 20 Jhs.

Wie kein anderes Genre, ist der Krimi die ultimative kleinbürgerliche Klischeemaschine. Da Ron Edwards auch noch explizt kategorisiert und alles auf 4 Endergebnisse zulaufen muß, kann nur noch von Kitsch gesprochen werden. Wertedilemma- und Beziehungskitsch, und zwar radikal unter bewußter Auslassung allen Beiwerks

Und genau den will er bis zur Vergasung nachäffen und immer, immer immer wieder wiederholen.

Hiermit beende ich meine Ausführungen.



im Übrigen bin ich der Meinung, daß GDW wiederaufgebaut werden sollte

3 Gedanken zu „The Soul of Sorceror

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