Bis Du Teil der Lösung?

Der alte fette Sack, der diesen Essay verfertigte bestimmt nicht. Nahezu ein Ei ist mir aus der Hose gefallen als der gesamte Faust von einem alternden arrivierten Staatsdiener zu einem Manifest wider die (undefiniert bleibende) Globalisierung gemacht wird.
Nicht nur, daß damit der Mehrdimensionalität der beiden Fäuste Rechnung beleibe nicht getragen wird, nein der Mann hat die Dreistigkeit und Selbstgefälligkeit sich sämtliche Plattitüden zum rationalisierten Wirtschaftsleben in aller Ruhe über die Zunge schnalzen zu lassen. Hier redet einer in allerfeinstem Tagesspiegeljournaillenniveau über die unglaubliche Gefahr die geordnetes Wirtschaften über seine naturgegebene Gemütlichkeit darstellt. Von einer schwarzen Zukunft auf dem rot-blutgetränkten Boden unseres Staates kündet diese Person mit einem fetten vergoldetem Grinsen. Als der Generation zugehörig, die seine persönlichen Gemütlichkeitsbestrebungen in mehrfacher Hinsicht ausbaden darf, einer derjenigen, die länger, härter und ungemütlicher arbeiten müssen, weil Herren wie dieser den Staat verschuldet und sich der familiären Verantwortung in Summe entzogen haben, kann ich nur unglaublichen Zorn empfinden ob solcher Unmöglichkeiten. Da wundert es kaum, wenn keiner mehr Goethe liest, kennt, wie es vom Sprecher angeprangert wird: Deinen Goethe will ich auch nicht.
Denn Goethe war keinesfalls so antizivilisatorisch, der Faulheit Tugenden preisend und plump wie Du ihn machst. Aber ein Blick in den Text erleichtert bekanntlich die Wahrheitsfindung.

Goethe, ganz der perfekte, der allumfassende Allesbegreifer gibt uns in den Vorspielen zum Faust mehrere Betrachtungsebenen und Kommentare zu sich, seinen Absichten und zum künstlerischen Schaffen an sich.
Das Gespräch zwischen Direktor, Theaterdichter und der lustigen Person gibt eben die von Goethe meisterhaft erkannten verschiedenen einnehmbaren Positionen wider. Nicht die Anweisung zum Handeln, daß moralische Urteil in mundgerechter Form, sondern das Panorama des Möglichen spannt der Dichter auf, und sich einfinden muß ein jeder selber. Dieser Worte wäre unser Goldzahnonkel im inneren Frühruhestand wohl besser eingedenk gewesen. Nachgerade ist aber das „Vorspiel auf dem Theater“ eben ein phantastisches Panorama an Spielleitungsparadigmen. Meines, zumindest bei der Betrachtung von kommerziellen Systemen legt der Meister dem Direktor in den Mund:

DIREKTOR:
Besonders aber laßt genug geschehn!
Man kommt zu schaun, man will am liebsten sehn.
Wird vieles vor den Augen abgesponnen,
So daß die Menge staunend gaffen kann,
Da habt Ihr in der Breite gleich gewonnen,
Ihr seid ein vielgeliebter Mann.
Die Masse könnt Ihr nur durch Masse zwingen,
Ein jeder sucht sich endlich selbst was aus.
Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen;
Und jeder geht zufrieden aus dem Haus.
Gebt Ihr ein Stück, so gebt es gleich in Stücken!
Solch ein Ragout, es muß Euch glücken;
Leicht ist es vorgelegt, so leicht als ausgedacht.
Was hilft’s, wenn Ihr ein Ganzes dargebracht?
Das Publikum wird es Euch doch zerpflücken.

Ganz besonders da beim Rollenspiel auch eben andere Teilnehmen und diese mit ins Boot geholt werden müssen, ist dies ratenswert.

Solltet ihr eine der anderen Positionen für wünschenswerter halten, sagt es hier: O.R.K.

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